Fossilien

Fos|si|li|en [lat. fodere, fossum = graben, ausgraben], die (Mehrz.); Einz.: Fossil, das; -s; Syn.: Petrefakten, Versteinerungen: haupts. in Sedimentgesteinen aufzufindende Überreste von Pflanzen u. Tieren, deren org. Materie über lange Zeiträume hinweg durch anorg. Substanz ersetzt worden ist (Fossilisation, Petrifikation, vgl. Mineralisation). Man unterscheidet dabei haupts. die Einlagerung von Calcit (Einkalkung, Calcifizierung, Verkalkung), Eisensulfiden (Einkiesung, Pyritisierung, Verkiesung) u. Quarz (Einkieselung, Verkieselung).

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Fossili|en,
 
Singular Fossil das, -s, durch Fossilisation erhalten gebliebene Reste von Pflanzen oder Tieren (auch deren Lebensspuren wie Kotsteine, Fußabdrücke, Fress- und Kriechspuren: Spuren- oder Ichnofossilien, z. B. Chirotherium), die in erdgeschichtlicher Vergangenheit gelebt haben. Die ältesten bekannten Reste organischer Herkunft (rd. 3,2 Mrd. Jahre alt) sind nur physikalisch-chemisch nachweisbar (Chemofossil). Man unterscheidet autochthone Fossilien (bei denen Fund- und Einbettungsort übereinstimmen) und allochthone Fossilien (Fossilien von Lebewesen aus oft weit entfernt vom Fundort gelegenen Lebensräumen, aus denen sie z. B. durch Erosionsvorgänge und Wasserströmungen verfrachtet wurden, Thanatozönose). Bestimmte Arten, die für eine beschränkte Zeit eine besonders weite räumliche Verbreitung hatten, sind geeignet, als Leitfossilien die geologische Schicht oder Stufe ihres Fundorts zu charakterisieren. Bei der Erdölsuche spielt das Auftreten von Foraminiferen und anderen sehr kleinen Fossilien, den Mikrofossilien, eine wichtige Rolle. Durch Verwitterung und Diagenese können fossilähnliche Gebilde entstehen (Pseudo- oder Scheinfossilien). Verschiedentlich wurden auch durch Fälschung Fossilien hergestellt, z. B. die »Lügensteine« von J. B. A. Beringer und der Piltdownmensch.
 
Die Bezeichnung Fossilien wurde 1546 von G. Agricola eingeführt, galt aber anfangs auch (in Deutschland bis Mitte des 19. Jahrhunderts sogar ausschließlich) für Minerale. In Deutschland wurden Fossilien bis Anfang des 20. Jahrhunderts Petrefakten genannt.
 
Obwohl Fossilien schon früh zum Teil richtig als Zeugen einer vergangenen Zeit (von Aristoteles als »verunglückte Urzeugen«, im Mittelalter als Zeugen der Sintflut, später als Naturspiele) gedeutet wurden, haben doch häufig Ähnlichkeiten von Fossilien mit bekannten Gegenständen zu Fehldeutungen geführt. Versteinerte kleine Urtierchen, die Nummuliten (Foraminiferen), deutete man wegen ihrer Größe und Form als versteinerte Linsen oder Münzen. Sagen und Legenden rankten sich um die Fundorte. In großen fossilen Knochenresten und Zähnen sah man Reste von Riesen oder Fabeltieren. Versteinerungen ausgestorbener Reptilien wurden zu »Beweisen« für die frühere Existenz von Drachen und Lindwürmern. (Belemniten)
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
Evolution: Die Entwicklung der Säugetiere
 

Universal-Lexikon. 2012.

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